CAPSLOCK ERREGT DEINE AUFMERKSAMKEIT


Nur ein kurzer Hinweis: Falls du den unübersehbaren Facebook-Button zur Linken übersehen haben solltest, klick doch mal drauf! Dort gibt es allerhand Schabernack, auch außerhalb der Tage, an denen ich hier etwas poste. Also, drück doch einfach mal gefällt mir, dass ich mehr Menschen erreichen und in den Wahnsinn treiben kann. Und weil dieser Beitrag hier sonst so leer aussehen würde, hier meine Tipps für Halloween: 


Aktuelle Halloweenempfehlungen um mal wirklich die Leute zu erschrecken:

– Als Tempo 30-Schild verkleiden und durch Lichtenstein rennen.
– Als Salafist auf ein Bauernfest gehen.
– Als Kondom an einem katholischen Gottesdienst teilnehmen.
– Im echten Leben demonstrieren, gegen Dinge die wirklich falsch laufen.
– Partei gründen und Politik mit Substanz betreiben.
– Nette Kommentare im Internet verfassen.
– Nicht über Beruf/Religion/Selfie/erfundene Internetpersönlichkeit sondern über den Charakter profilieren

(Vorsicht! Einsamkeit an diesem Abend vorprogrammiert!)


Es gibt auf der Facebookseite aber keine süßen Katzenvideos. Nein, vergiss es!

Zeit heilt keine Jugend.


„Die Jugend von heute hat doch kein Respekt mehr vor dem Alter!“

„Die jungen Leute saufen sich doch nur noch das Hirn raus!“

„Früher war alles besser“

Zuallererst war früher vor allem früher. Das sind Sätze die wahrscheinlich jede Generation in den letzten 1000 Jahren gehört hat. Ich auch, deshalb will ich, wie jede Generation vor mir, erörtern warum das so ist. War früher wirklich alles besser? Sind wir wirklich so verkommen? Und warum macht auf einmal jeder Blogs und schreibt über pseudophilosophischen Quatsch? Seltsam…


Das erste Mal hörte ich einen der Sätze oben im Alter von 6 Jahren von meiner Großmutter. Ich kannte das Wort „Saufen“ noch nicht und außerdem wusste ich nicht einmal was eine Generation ist. Trotzdem habe ich mich damals schon gefragt, warum man andere Menschen so negativ sieht, obwohl man sie nicht kennt. Gut, heute verstehe ich das sehr gut, aber das ist ein anderes Thema. Was haben wir unseren Eltern oder Großeltern getan, dass sie uns als verkommen oder respektlos bezeichnen? Wer unfreundlich zu mir ist, dem versuche ich meist trotzdem nett zu entgegnen, aber irgendwann verfällt das natürliche Recht auf Respekt, auch wenn der körperliche Verfall schon unaufhaltsam fortgeschritten ist.

„Respekt muss man sich verdienen!“ – Dem kann ich nicht zustimmen, ein gewisser Grundrespekt sollte jedem Menschen entgegen gebracht werden, aber welches Sonderrecht haben Generationen vor uns, dass sie davon eine besonders große Portion erhalten sollen? Gut, unsere Eltern haben es geschafft, Deutschland nicht komplett an die Wand zu fahren, aber soll ich mich dafür bedanken, dass ich jetzt schon weiß, dass ich an meinem Lebensabend vermutlich kein Cent Rente sehen werde? Oder dass es für Jeden einfach wie nie ist, vom Staat Geld zu schnorren, ohne etwas zu tun? Dass ich bis jetzt noch nicht weiß, was ich tun soll, obwohl ich die beste schulische Ausbildung bekommen habe, dabei aber alles auf Studium ausgelegt war? „Wie Ausbildung? Sie haben Abitur, natürlich studieren Sie!“

Das soll nicht heißen, dass ich nicht dankbar bin. Ich wuchs behütet auf, hatte nie Geldsorgen, habe Unterstützung von meinen Eltern. Vieles von dem war früheren Generationen sicherlich verwehrt. Lange Zeit mussten unsere Großeltern schuften, um dieses Deutschland wieder aufzubauen. Wir sind in ein friedliches Europa hineingeboren worden, können die ganze Welt bereisen ohne Angst vor einem Atomalarm zu haben, uns steht die Welt offen, wir sind komplett vernetzt und können im Prinzip tun was wir wollen. Und das ist die Krux an der Sache.

„Mach irgendeinen Schulabschluss, in die meisten Berufe kommst du eh nur mit Praktikum.“ waren die Worte des Berufsberaters. Das hat sicherlich Vorteile, so sehen Unternehmen was man wirklich kann oder halt auch nicht. Wir können alles machen, aber zeigt uns auch jemand was das Beste für uns wär? „Seid doch froh dass ihr soviel Auswahl habt und jetzt tut nicht so rum, das müsst ihr selbst hin bekommen!“ „Am besten irgendwas mit Medien!“ Vielleicht ist das auch mein persönliches Problem, aber wir können so viel machen, es gibt seit ein paar Jahren so viel neue Berufe, dass man seine Stelle oft nur auf Englisch beschreiben kann.

Und letztendlich ist es doch wichtiger, ob das „Selfie“ richtig gelungen ist, als dass wir Geld verdienen. Das neuste Handy geht vor, arbeiten können wir immer noch danach. „Mach ich halt ein FSJ.“ Das waren übrigens meine eigenen Worte. Ich will mit diesem Text nicht herum meckern, wir haben wirklich viel Glück, heute zu leben. Doch durch die ganze Freiheit haben wir (oder unsere Eltern, die sind immer schuld wenn wir sonst keinen Schuldigen finden) vergessen, was es bedeutet Ziele zu folgen. Freiheit macht anscheinend an einem bestimmten Punkt unproduktiv. Warum auf ein Ziel hin arbeiten, wenn man sich da auch was aus dem Internet laden kann?

Dazu Anton Hofreiter in einem „Zeit“-Interview:

„Dass der Sohn des Schmieds früher immer Schmied werden musste und wir solche tradierten Muster heute überwunden haben, ist natürlich ein Fortschritt. Aber die Anforderungen der modernen Arbeitswelt erleben viele Menschen als freiheitseinschränkend. Wir müssen uns bewusst sein, dass Freiheit ein spannender Begriff ist – unterschiedliche Freiheitsräume können aber auch miteinander kollidieren. Die Freiheit, meine Arbeit wählen zu können, kann die Freiheit einschränken, wie ich meine Freizeit gestalten kann.“

Und irgendwie kommt es mir vor, als wäre unsere Generation genau wie die vor uns und die, die davor kam. Lediglich die Vorraussetzungen haben sich geändert. Auch unsere Eltern hatten „keinen Respekt vor dem Alter“ und „waren nur noch am Saufen“ (Damals wurde vielleicht nicht so genau Buch geführt). Anstatt uns einem bestimmten Lebensweg zu widmen, schauen wir lieber noch einmal in Whatsapp und erstellen pseudokritische Internet-Blogs (hehe). Sind wir verloren? Nein, wir sind nicht verloren, dann wüssten wir wenigstens wo wir stehen. Wir sind nichts. Weder rechts noch links, weder respektlos noch respektvoll, weder faul noch fleißig, weder dumm noch klug.


Wir haben so viele Freiheiten, dass wir vor lauter Freiheit keine Bindung oder Neigungen entwickeln. Wir sind nicht rot oder blau, wir sind grau. Und am Ende sind wir weder Fisch noch Fleisch oder sonst prägend für diese Zeit. Das mag sehr düster klingen, aber ich bin überhaupt nicht schlecht oder gut gelaunt deshalb. Es ist mir irgendwie egal.

Generation Unsichtbar.

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=ZHdgls3RH_U]

Am siebten Tag schuf er den Schein.


Eigentlich ergibt das überhaupt keinen Sinn, dass gerade ich mich über Facebook aufrege. Ich würde wahrscheinlich nicht einen Tag ohne auskommen, obwohl die zuckerberg’sche Sozialplattform so ziemlich alles über mich weiß (außer vielleicht meinen echten Namen, dafür meine Handynummer). Von einem Netzwerk, auf dem man mit Freunden in Kontakt bleiben kann, zu einer personalisierten Werbebande, die zusätzlich noch hervorragend dazu dient sich eine völlig überzogene und unrealistische Persönlichkeit zu formen. Aber warum sind wir im Internet auf einmal alle Künstler und Musiker, Fashionexperten und humanitäre Wunderkinder?


Letzte Woche wurde ich gezwungen, den Facebook-Messenger herunter zu laden, um mobil überhaupt noch Nachrichten schreiben zu können. Damit kommt ein Stück mehr meiner Privatsphäre die ich her gebe, obwohl ich meinen Freunden sicher auch auf andere Art und Weise mitteilen könnte, was ich gerade esse, oder welches Projekt ich in diesem Moment nie realisieren werde. Zum Beispiel Instagram. Oder ich rufe sie an. Und trotzdem habe ich mir das Teil geladen. Mit den Jahren scheint es uns immer mehr egal zu sein, wer was mit unseren Daten macht. Wirklich überrascht war doch niemand von der NSA-Affäre.

Ich würde mich da jetzt sehr gerne raus nehmen, aber letztendlich mache ich genau das Gleiche wie jeder andere auch. Das erste was wir nach dem Aufstehen tun, wandelte sich von Frühstück zu Newsfeed durchschauen, vielleicht verpasst man ja etwas. Wenn ich alle Menschen kennen würde, die da täglich durch meine Chronik rauschen, wäre ich 24 Stunden am Tag mit Hände schütteln beschäftigt. Und trotzdem ist es doch interessant, wer schon wieder was gepostet hat, wer mit wem zusammen ist, wer diese Woche welche Haarfarbe hat und wer heute was auf seiner Farm, mit seinen Süßigkeiten oder mit seiner Stadt getan hat (Ich gebe zu, das interessiert mich nun wirklich nicht, hört auf mit den Geschenken! Ich mag nicht mal im echten Leben Geschenke, außer ein Auto, das könnt‘ ich wirklich mal gebrauchen! 29.03. ist der Geburtstag, bitte danke!).

Wenn mich nun irgend jemand Samstag abends in einer Bar darauf anspricht, was Horst schon wieder mit Gertrude getrieben hat, oder was für einen tollen Song Ansgar schon wieder produziert hat, interessiert mich das komischerweise nicht die Bohne. Allgemein interessieren mich die wenigsten Menschen außerhalb meines Freundeskreises, welchen ich bewusst klein halte. Online ist das ganz anders. Wenn man mir vor 10 Jahren gesagt hätte, dass 90% der Menschen in 2014 Bilder von sich von oben machen, das ganze „Selfie“ nennen und seltsame Begriffe darunter mit einer Raute davor schreiben, ich hätte ihm einen Aufenthalt in der nicht allzu fernen Psychiatrie Zwiefalten empfohlen.

Und alle machen fröhlich mit bei dem Rennen um den schönsten Kamerawinkel und retroigsten (Ja das ist ein Wort, ab jetzt ist das ein Wort hab ich gesagt, ich mein das voll ernte!) Filter. Um den intellektuellen Post und dem unbekanntesten bekannten Zitat. Um den langweiligsten Tag (Wer liket, dem scheiße ich auf die Chronik!) und um die krassesten Urlaubserlebnisse (Hier ein Bild von mir vor Meer. Und hier eins vor Meer und Segelboot. Ein „Selfie“ vor der „Ritze“, vor dem Reichstag oder vor dem Dom. Nicht dass dir jemand nach 300 Bildern nicht glaubt, dass du da warst!).

Letztendlich ist Facebook doch nichts anderes als mit der Langeweile (oder der gespielten Langeweile) zurechtzukommen. Wir halten diese Langeweile gar nicht mehr aus, obwohl das die größte Quelle für Ideen ist. Und jetzt rate mal warum ich eine Facebook-Seite aufgemacht habe und einen Blog bei WordPress eröffnet habe. Weil ich natürlich ein abnormales Arbeitstier bin.


Wenn nur die Hälfte stimmen würde, die ich auf Facebook verbreite, wäre ich wahrscheinlich jetzt nicht hier. Ich wäre reich wie Trump, intelligent wie Einstein, friedlich wie Gandhi, schön wie…naja lassen wir das, freundlich wie ein Zeuge Jehovas an der Tür und glücklich wie Buddha. Das alles bin ich nicht mal im Ansatz.

Aber immerhin kann ich so tun. 


[youtube https://www.youtube.com/watch?v=ZRAr354usf8]

Am zweiten Tag kam wieder nur Mist.


Mittlerweile wirst du dich fragen: „Was ist sein Konzept? (Ich vermute er hat keins) Hat der Typ keine Hobbies? (Klar, dir auf den Sack gehen!)“ Ich werde hier alles und jeden beleidigen oder in den Himmel loben. Warum dich das interessieren soll? Keine Ahnung. Letztendlich soll das hier alles nur ein Versuch sein. Also fangen wir einfach mal an:

Vor Jahren war Deutschland als Land der Meckertanten verschrien. „Wir Deutschen meckern eben gern.“ – Inhalt jedes Programms jedes Comedians in jeder Stadt bei jedem Auftritt. Ich will mich da nicht ausschließen, es gibt wahrscheinlich wenig Menschen die mehr meckern als ich. Kurzer Tagesablauf:


Aufstehen: „HERRGOTTSACKZEMENT

Nachdem das Handy nach nervendem Klingeln an der Wand zerschellt.

Frühstück: „HEILANDSHURENDRECKSSCHEIßE

Nachdem der Toast mal wieder auf den Boden fällt, selbstverständlich auf die Marmeladenseite.

Weg zum Bus: „ICHKOTZGLEICHIMSTRAHL

Nachdem der Bus vor der Nase wegfährt, Ich gleichzeitig noch über meine eigenen Füße falle.

Mittag: „LECKMICHDOCHDIEWELTAMARSCH

Aufgrund des Bus-Verpassens mit dem Auto gefahren. Springt nun nicht mehr an.

Abend: „GLEICHKLATSCHTSABERKEINBEIFALL“ (Innerlich)

Beim Arzt. Im Wartezimmer. Nach 3 Stunden.

Nacht: „ICHREISSDIRDENKOPFABUNDSCHEIßDIRINDENHALS

Gegenüber der Mücke die – wie selbstverständlich – das Moskitonetz ignoriert hat.


Nun scheint dieses Phänomen aber überhaupt nicht mehr zu existieren. Gemeckert wird gar nicht mehr. Es wird ignoriert. Sicher ist eine positive Lebenseinstellung gut, aber „Ich scheiß auf eure Meinung“ und „Haters gonna hate“ ist nicht der beste letzte Satz wenn man mit dem Shirt mit „YOLO“ – Aufdruck vor den metaphorischen Zug springt.

„Du bist ja nur neidisch auf die Leute“ ist der Ausspruch den ich höre, wenn ich halt die GOTTVERDAMMTE KACKSCHEIßE VON SENDUNG einfach nicht ganz so toll finde. Jeden Tag sehe ich Menschen, die ihre Dummheit wohl als gottgegeben ansehen und damit Schindluder treiben. „But first, let me take a selfie!“ HALT DIE FRESSE HAB ICH GESAGT!

Liebe Kinder, das sind böse Worte, die darf man nicht sagen. ABER EURE VERSCHISSENEN ELTERN haben euch bestimmt schon Bessere beigebracht, „Berlin – Tag & Nacht“ ist aber auch ein guter Wegweiser für den Alltag. Mich beschleicht dennoch das Gefühl, dass man auf diese Art einfach ein leichteres Leben führt.

Wir sollten alle aufhören uns über Dinge zu beschweren. Wozu demonstrieren, es gibt doch Online-Petitionen! Warum wählen, sind doch eh Alle gleich. Und diese Emanzipation ist doch eh voll übertrieben. „Homosexuelle sollen endlich gleichberechtigt behandelt werden, aber etwas dafür tun will ich auch nicht.“ Palästina soll endlich frei sein, schnell nen Facebook-Post raushauen! Das Leben könnte so einfach sein.

Und am Ende des Tages reiten wir auf unseren Oma-Bikes in den Sonnenuntergang.

Und so schlecht ist die Sendung ja gar nicht. Bis auf die Schauspieler. Und die Szene. Und die Texte. Und die Regie. Und die Kameraführung, der Schnitt, der Ton, das Bild und das Licht. Aber die Musik war fätt!